T.S. Orgel: Die Fortsetzung im Kopf

Oder: Nach dem Script ist vor dem Script

Heute ist offizieller Erscheinungstag von Band 1 der Blausteinkriege und wir haben vor drei Tagen endlich unsere Belegexemplare erhalten.
Man könnte also meinen, dass unsere Arbeit ersteinmal getan ist, wir uns zurücklehnen und die Show genießen können. Zumindest für den Moment. Aber vermutlich habt ihr’s schon erraten – ganz so einfach ist es nicht.

„Das Erbe von Berun“ heißt nicht umsonst „Die Blausteinkriege 1“. Es ist kein Geheimnis, dass es sich dabei um den ersten Band einer Trilogie handelt – und im Gegensatz zu unserer vorangegangenen Trilogie sind die Blausteinkriege auch von vornherein als Trilogie geplant und angelegt. Das bedeutet, dass wir schon dabei sind,  an Band 2 zu schreiben, der in ziemlich exakt einem Jahr erscheinen soll.

Nach einer Schreibpause von doch ein bis drei Monaten war das aber gar nicht so einfach wie es klingt.
Schreibpause bedeutet nicht, dass wir nichts geschrieben haben – aber wie wir schon erzählt haben, folgt nach dem eigentlichen Schreiben ja ersteimal das Lektorat, danach Promo, vielleicht mal ein, zwei Wochen Urlaub, dann kommt die Messe und schon ist das Buch erschienen und ein paar Wochen lang eigentlich nichts neues geschrieben, sondern nur darüber erzählt – und geplant. Vor allem geplant, wie es weitergehen soll.

Dazu haben wir jetzt gerade in Kurzform sortiert, wer was bisher erlebt hat, wer davon noch am Leben ist, wer wen beleidigt (oder generell, wer was über wessen Vorfahren gesagt) hat, wer nach Band 1 wo welche Narbe hat – all diese kleinen Dinge eben, die man sammeln und griffbereit haben sollte, wenn man eine Fortsetzung schreibt. Denn wenn man da irgendetwas vergisst, wenn jemand plötzlich auf dem falschen Bein hinkt oder die falsche Augenfarbe hat – das mag für den Autoren selbst tatsächlich gar nicht so wichtig sein. Oder es ist wichtig – aber es hat sich im Laufe des Schreibens verändert und das Bild, das man als Autor inzwischen im Kopf hat, ist ein anderes, als man es zu Beginn des Manuskriptes entworfen hat. Eine wechselnde Augenfarbe mag natürlich cool sein – aber auch das sollte dokumentiert sein, damit man eine plausible Lösung zur Hand hat, wenn der erste Leser danach fragt. 😉

Und seien wir ehrlich – irgendwas lässt sich immer finden. Autoren sind nicht perfekt und auch der beste Lektor ist auch nur ein Mensch. Aber solange man zumindest das Wichtigste dokumentiert hat, lassen sich größere Pannen in Folgebänden vermeiden. Jetzt könnten wir natürlich Karteikarten verwenden – aber da wir, also Stephan und Tom, nicht im selben Ort, sondern mehr als eine Stunde Fahrzeit auseinander wohnen, sind Karteikarten wohl auch nicht die praktischste Möglichkeit, eine solche Datenbank zu führen. In dieser Hinsicht ist eine online-basierte Kartei, eine Cloudlösung sinnvoll – aber auch die will gefüttert und gepflegt werden.
Mit Augenfarben und so.

Wichtig übrigens: Im Laufe des ersten Bandes haben tatsächlich einige Leute ein oder zwei Angewohnheiten entwickelt, seien es das nachdenkliche Kratzten der Glatze oder ein nerviges: „Ich sag’s, wie’s ist.“ Auch das sollten wir dokumentieren. Nicht nur damit der jeweils andere darüber Bescheid weiß, sondern auch, damit wir es im nächsten Band selbst nicht vergessen. Immerhin charakterisiert das die Figuren oft besser als das reine Aussehen.

Als nächstes mussten wir natürlich auch nochmal durchgehen, welche Erzählstränge wir abgeschlossen haben und wichtiger noch: welche jetzt eigentlich offen sind – und wo wir damit im kommenden Band hin wollen.
Außerdem mussten wir nochmals durchsprechen, welche neuen Stränge eingearbeitet werden wollten – und an dieser Stelle eventuell auch nochmal eine oder zwei Umplanungen. Dazu gehört auch die Analyse, was jetzt in diesem ersten Band gut funktioniert hat, was bei den Testlesern und im Lektorat besonders gut ankam – und was Kritikpunkte waren, die wir das nächste Mal besser machen (oder zumindest bedenken und passend einarbeiten) sollten.  Von dem einen sollten wir natürlich mehr haben, vom anderen nach Möglichkeit weniger. Nur was was ist, das muss man natürlich mit etwas Ruhe analysieren und zum Teil auch nochmal mit dem Team, also eben wir Autoren untereinander, aber auch mit den Testlesern und der Lektorin besprechen.
Jaha, der Job als Testleser ist auch kein Ponyschlecken. Das ist tatsächlich Arbeit. Und wir sind unseren ehrenamtlichen Kritikern zutiefst dankbar, dass sie sich die Zeit nehmen, unsere Arbeit durchzugehen und sie uns um die Ohren zu hauen. Ist das masochistisch? Vielleicht ein bisschen, ja. Aber von beiden Seiten.

Tja, und dann, wenn einem nichts mehr einfällt, was man noch als Ausrede nehmen kann, dann sollte man sich wieder ans schreiben setzen.
Täglich und mit Elan. Egal, wie schwer es manchmal fällt, was im Fernsehen kommt, was auf dem Bücherstapel liegt oder an Spielen auf der Festplatte wartet. Der nächste Band schreibt sich – trotz aller Vorarbeit – nicht von selbst.

Aber Spaß beiseite: Es … äh … macht Spaß.
Und wir sind sicher, dass der nächste Abschnitt in unserer Geschichte, die nächste Episode in unserem Konflikt um den geheimnisvollen Blaustein, einer ganzen Menge Leute gefallen wird. Immerhin ist die Bühne jetzt bereitet, die Figuren sind gesetzt und die verschiedenen Fraktionen sind in Position – auch wenn ihr einige davon noch gar nicht gesehen habt.

Wir sind also inzwischen schon wieder beim Schreiben. Vielen Dank für’s Lesen – wir halten euch auf dem Laufenden. Hier, auf Blausteinkriege.de und auf unserem eigenen Blog, TS-Orgel.de. Versprochen.