T.S. Orgel: „Die Blausteinkriege“

Werkstatteinblick am Freitag:

Der größte Teil der Arbeit am ersten Band der „Blausteinkriege“ ist gemacht. Das heißt, wir haben rund 6 Monate Schreibarbeit hinter uns, die rund 600 Seiten Manuskript abgeworfen haben. Jeder von uns hat über die Texte des anderen gelesen und unsere kleine Heerschar an Testlesern über alles zusammen. Und danach haben wir das eigentliche Lektorat hinter uns gebracht.

Aber vielleicht müssen wir weiter ausholen. Für gewöhnlich arbeiten Autoren ja allein. Meint man zumindest als Leser. Es gibt jedoch eine ganze Reihe Autoren, die einen Mitautoren haben. Manchmal treten sie gemeinsam unter einem Pseudonym auf (ähnlich wie wir, nur ohne das laut zu sagen), oftmals jedoch ist der Helfer noch „stiller“. Er (oder natürlich sie) spinnt die Grundgeschichte mit, oder aber er poliert die Kanten der Texte des Hauptautoren, findet die Logiklöcher und stopft sie; er übernimmt das recherchieren (Wie lange dauert das Beschlagen eines Pferdes? Was ist das übliche Gewicht eines Fußsoldaten-Panzers? Oder einer Kokosnuss? Wie macht man eigentlich Blaubeermarmelade? Wie funktioniert eine Ruhrinfektion? Und wie zum Teufel schreibt man Dekolleté – und was bedeutet es überhaupt genau? Die netten Details eben). Oft überwacht der stille Helfer auch nur den Fortschritt des eigentlichen Autors, sorgt für die Einhaltung von Schreibplan, Plot und Deadlines, behält die Übersicht und kümmert sich darum, dass der Autor auch wirklich schreibt, statt „The Witcher 3“ zu spielen (nur zu Recherchezwecken, natürlich).

In unserem Fall allerdings schreiben wir beide gleichberechtigt. Damit das funktioniert, teilen wir uns in die Erzählstränge. Bei unseren vorhergehenden „Orks vs. Zwerge“-Romanen war das einfach – Stephan hat die Zwerge übernommen, Tom die Orks.
Aber auch bei den Blausteinkriegen gibt es wieder mehrere Erzählstränge – und tatsächlich kommen am Ende ungefähr gleiche Textmengen heraus. Der Plot der Geschichte wird davor gemeinsam entworfen und von beiden überwacht. Dafür tauschen wir regelmäßig das Geschriebene aus, korrigieren die Arbeit des anderen (und es gibt eine Phase, in der wir sie besser als die jeweils eigene finden) und verschleifen Sprache, Ausdrucksweise und die Übergänge zwischen den Textteilen. Ab einem bestimmten Punkt kommt dann unser kleiner aber knochenharter Stab an Testlesern ins Spiel, die in den (manchmal vielleicht zweifelhaften) Genuss der Rohschrift kommen und sie uns um die Ohren hauen. Oder eben sagen, was sie gut fanden, wovon es mehr geben dürfte – und was zuviel ist. Was sie nicht müssen, ist, unsere Rechtschreibung korrigieren. Damit müssen sich die Leute herumärgern, die dafür bezahlt werden. Und wir selbst, natürlich.

Das fertige Rohmanuskript ging dann an unsere Lektorin, die es uns haarklein korrigiert und mit rund 70 Kommentaren in der ersten Korrekturfassung zurückgeschickt hat. Das klingt erst einmal viel, bedeutet aber letztendlich, dass nochmals jemand den Text auf Herz und Nieren geprüft hat. Die Folgen davon waren: Etwa 2 Seiten Kürzung und 15 Seiten neuer Text, ein zweiter Korrekturlauf und schließlich das Manuskript im Satz. Und davor sieht noch ein Korrektorat drüber. Wer dann noch immer Fehler findet, hat sich ein Fleißsternchen verdient.

Diese Woche kam dann der erste Rohsatz zurück, die sogenannten ‚Druckfahnen‘. Und das heißt? Genau. Nochmals das komplette Manuskript durcharbeiten. Die letzte Chance, Fehler zu finden und kapitale Katastrophen abzuwenden (nicht, dass aus dem Kaiser aus Versehen eine Kaiserin namens Eberhart geworden ist). Außerdem müssen hier noch einige Zeilen gekürzt werden, damit sie in den Satzspiegel passen. Ach ja, und Danksagung, Widmung, Personenverzeichnis und all diese Dinge, die sollten spätestens jetzt auch noch hinein.

Tja, und dann warten wir schon ungeduldig auf die Karten vom Illustrator, deren grobe Entwürfe wir dem Verlag irgendwann mal geliefert haben und die es vielleicht noch ins Buch schaffen.

Bis Montag müssen wir das Ganze abgegeben haben. Dann können wir uns entspannt zurücklehnen. Spaß beiseite – entspannt sind wir dann sicherlich nicht. Denn jetzt fängt die Arbeit am nächsten Band an.

Schönes Wochenende,
Tom & Stephan