Interview mit Julie Kagawa, Autorin der Serien "Plötzlich Fee", "Unsterblich" und "Talon", bei Heyne fliegt

JULIE KAGAWA IM INTERVIEW

Im Rahmen einer großen Europa-Tour hat Julie Kagawa vor kurzem auch in Berlin Halt gemacht. So spannend, wie ihr erster Deutschlandbesuch für die amerikanische Bestseller-Autorin war, so aufregend war es auch für uns und ihre Fans, sie mal hautnah zu erleben! Ganz bodenständig und sehr lieb haben wir Julie Kagawa, die mit ihrer „Plötzlich Fee“-Reihe große internationale Erfolge feiert, kennengelernt. Am 28. Oktober 2015 hat sie in Berlin den Auftakt zu ihrer packenden neuen Fantasy-Serie „Talon“ vorgestellt, daraus vorgelesen, die Fragen ihrer Fans beantwortet und Unmengen an Büchern signiert. Alle, die nicht in Berlin dabei sein konnten, haben wir auf Facebook dazu aufgerufen, uns ihre Fragen an die Autorin einzusenden. Die spannendsten Fragen haben wir Julie Kagawa stellvertretend für ihre deutschen Fans in Berlin gestellt. Und das sind ihre Antworten.

Heyne: Wir wissen, dass du schon in deiner Schulzeit leidenschaftlich gerne Geschichten verfasst hast. Sobald dir eine neue Idee kam, hast du sie aufgeschrieben. Und offensichtlich hast du deine Fantasie bis heute nicht verloren. Stattdessen scheint sie von Tag zu Tag anzuwachsen. Wo kommt all deine Vorstellungskraft und Fantasie her? Was inspiriert dich zu deinen Büchern? Ist es schwierig, all die Ideen zu bündeln und nachzuverfolgen?

Julie Kagawa: Wenn mir eine gute neue Idee kommt, dann lege ich sie einfach erst mal zu Seite. Denn üblicherweise kommen mir tolle Ideen, wenn ich eigentlich gerade an etwas ganz anderem arbeite. Daher schreibe ich mir die Idee auf und lege sie erst einmal ab, sodass ich wieder darauf zurückkommen kann, wenn es nötig ist. Woher meine Inspiration kommt? Häufig von Videospielen und Animes, von den Charakteren, den Geschichten und den Schauplätzen. Ich bin ein großer Fan von Videospielen, sie tragen einen großen Teil zu meinen Geschichten bei.

Heyne: Wie sieht dein Tagesablauf als Autorin aus? Zu welcher Zeit und an welchem Ort schreibst du am liebsten?

Julie Kagawa: Ich schreibe in meinem Büro. Ich fange gegen 10 Uhr morgens an und schreibe bis etwa 17 Uhr. Ich versuche 1000 Wörter täglich zu schreiben, bis der Abgabezeitpunkt immer näher rückt, dann schreibe ich so viel ich kann. Ich versuche das Schreiben als Beruf zu verstehen. Leider bin ich sehr leicht abzulenken, daher kann ich nicht in Cafés oder Buchläden schreiben sondern brauche meinen ganz speziellen Ort, an den ich mich zum Schreiben zurückziehen kann.

Heyne: Manchmal hat man gute Lust, mal dem Alltag zu entfliehen und an fremde Orte zu reisen. Stell dir vor, du könntest die Welten, die du in deinen Geschichten selbst geschaffen hast, bereisen. Welche dieser Welten würdest du am liebsten kennenlernen?

Julie Kagawa: Eine der Welten zu bereisen, die ich selbst erschaffen habe… das wäre furchterregend! (lacht) Die Welt aus meiner „Unsterblich“-Serie würde ich definitiv schon mal ausschließen. Das wäre ziemlich gruselig, vermutlich würde ich gefressen werden! Wahrscheinlich würde ich mir dann lieber Nimmernie aussuchen. Es ist eine Fantasy-Welt, aber ich weiß ja, wie man sich auf diesen Ort vorbereiten müsste, weil ich ihn ja erschaffen habe. Ich weiß, was man mitbringen müsste und wie man die Gefahren, die dort lauern, abwehren kann. Ja, es wäre sicher Nimmernie! Es wäre vielleicht nicht gerade entspannend, Nimmernie zu bereisen, aber es würde definitiv viel Spaß bringen!

Heyne: In deinem neuen Buch „Talon – Drachenzeit“ geht es um ein Drachenmädchen in Menschengestalt, das gegen Krieger einer geheimen Gesellschaft kämpft. Warum hast du dich dafür entschieden, ausgerechnet über Drachen zu schreiben? Was fasziniert dich an ihnen so sehr?

Julie Kagawa: Drachen haben mich schon fasziniert, seit ich denken kann. Kein anderes mythologisches Wesen ist so komplex wie der Drache. Einhörner zum Beispiel sind immer lieb, Elfen werden auch immer auf eine ganz bestimmte Art und Weise dargestellt, ein Drache aber kann alles sein. Er kann ein riesiges, unberechenbares und mächtiges Ungeheuer sein, oder aber er ist dein bester Freund, der immer an deiner Seite steht und dich beschützt. Alles dazwischen wäre bei einem Drachen möglich. Genau das ist es, was mich an diesen Wesen so fasziniert.

Heyne: In deiner „Plötzlich Fee“-Reihe stellst du uns Meghan vor, die entdeckt, dass sie halb Fee und halb Mensch ist und sich später in einer magischen Welt wiederfindet, wo sie in einen Krieg zwischen zwei märchenhaften Königreichen gerät. Die Geschichte erinnert an Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“. Magst du Shakespeares Stücke oder was ist der Grund dafür, dass du ausgerechnet Puck aus „Ein Sommernachtstraum“ als Charakter für deine Geschichte gewählt hast?

Julie Kagawa: Ja, ich liebe Shakespeare! „Romeo und Julia“ und „Ein Sommernachtstraum“ sind meine Lieblingsstücke. Puck hat mich von Anfang an fasziniert, weil er der ultimative Schelm ist. Ich wollte die Legenden aus „Ein Sommernachtstraum“ gerne in meine „Plötzlich Fee“-Bücher miteinfließen lassen, weil sie so oft erinnert werden und weil so vieles schon über sie geschrieben wurde. Viele kennen Shakespeares Stücke, seine Figuren, sie sind unsterblich. Über Puck zu schreiben, hat mir sehr viel Spaß gemacht hat.

Heyne: Wenn wir gerade über Feen und Märchenwelten sprechen. Was ist dein Lieblingsmärchen und warum?

Julie Kagawa: Mein Lieblingsmärchen… da muss ich einen Moment drüber nachdenken. Alle Märchen haben ein ganz schön grausames Ende. Also, ich meine die ursprünglichen Märchen, nicht die Disney-Versionen. Ein Märchen, an das ich mich noch gut erinnere, ist „Die kleine Meerjungfrau“. Dieses Märchen hat kein Happy End. Die Meerjungfrau löst sich am Ende in Meerschaum auf anstatt den Prinzen zu heiraten. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes eine fish-out-of-water-Geschichte, es geht um eine Fremde in einer fremden Welt, die lernen muss, Mensch zu sein, sich menschlich zu verhalten. Darüber schreibe ich ja auch in meinen eigenen Geschichten sehr häufig: Über Wesen, die lernen müssen, sich anzupassen.

Heyne: Könntest du dir vorstellen, das Fantasy-Genre hinter dir zu lassen und stattdessen Horror-Romane zu schreiben?

Julie Kagawa: Nein, ich könnte mir nicht vorstellen, keine Fantasy-Romane mehr zu schreiben. Ich liebe dieses Genre einfach zu sehr, und ich möchte schreiben, was ich selbst auch gerne lesen würde. Mich auch mal in Horror-Romanen zu versuchen, das könnte ich mir aber schon vorstellen. Ich liebe gruselige Bücher, nicht so sehr gruselige Filme, aber gruselige Bücher mag ich sehr. Und – das könnte jetzt vielleicht etwas komisch klingen (lacht) – ich mag es, Leute zu erschrecken. Daher kann ich mir durchaus vorstellen, auch mal einen Horror-Roman zu schreiben. Aber vorerst bleibe ich bei der Fantasy.

Heyne: Wenn du mal in die Zukunft denkst, wie stellst du dir dein Leben mit 70 Jahren vor? Wirst du weiterhin schreiben? Und wo, glaubst du, wirst du wohnen?

Julie Kagawa: Ich hoffe, dass ich mit 70 immer noch schreibe. Ich hoffe, dass ich auch mit 80 oder 90 immer noch schreibe. Ich habe noch keine Vorstellung davon, wo genau ich leben werde. Wahrscheinlich irgendwo, wo es ruhig und friedlich ist, wo ich mit meinem Mann, meinen Hunden und meinen Katzen zusammenleben kann. Vielleicht auf einer kleinen Farm mit vielen Tieren. Das könnte ich mir gut vorstellen.

Heyne: Die letzte Frage hält eine kleine Aufgabe für dich bereit. Wenn jemand deine Bücher noch nicht kennen sollte und du nur drei Sätze hättest, um ihn davon zu überzeugen, deine Bücher zu lesen, was würdest du dann sagen?

Julie Kagawa: Oh, nur drei Sätze! Dann würde ich sagen: In der „Plötzlich Fee“-Reihe geht es um mörderische Feen. In der „Unsterblich“-Reihe erwarten dich postapokalyptische Vampire. Und in „Talon“ triffst du auf moderne Drachen in der realen Welt.

Heyne: Alle drei Reihen hören sich wahnsinnig packend an! Vielen Dank für das Gespräch!